Liebe direktzu®-Nutzer,

32.000 Menschen haben abgestimmt, mehr als 650 Fragen wurden beantwortet – dies ist die Bilanz der Bürgerdialogplattform „Direktzu Stuttgart 21“, die im September 2010 online ging. Seitdem wurde von unseren Fachleuten detailliert Stellung bezogen zu vielen Themen rund um das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm. Alle unsere Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen finden Sie hier auf dieser Plattform.

Seit 2010 hat sich das Projekt grundlegend verändert. Es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Nach Jahren der Planung und des politischen Diskurses treten die Umsetzung des Bahnprojektes und damit die Bauarbeiten immer mehr in den Vordergrund, was an vielen Stellen der Stadt und entlang der Autobahn nach Ulm zu sehen ist.

Für die zunehmenden Fragen rund ums Bauen haben wir ein „Informationszentrum“ eingerichtet, über welches sich insbesondere betroffene Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche über das aktuelle Baugeschehen informieren können.

Wir freuen uns weiterhin über Ihr Interesse an unserem Projekt.

Archiviert
Autor Thomas Schmid am 25. Oktober 2010
6912 Leser · 20 Stimmen (-11 / +9)

Sonstiges / Kritik

Wie flexibel stellen wir uns für die Zukunft auf?

Sehr geehrter S21-Planungsstab,

welche Überlegungen gibt es Ihrerseits, wie mit einem in den Untergrund abgesenkten und vertunnelten Bahnhof auf in der Zukunft liegende und sich möglicherweise verändernde Anforderungen an den (Bahn)verkehr reagiert werden kann?

Zur Erläuterung meiner Frage:

Wir erleben ja derzeit, daß uns unsere Elterngenerationen eine bauliche Struktur hinterlassen haben, die wir prinzipiell in der Lage sind, an unsere nah- bzw. mittelfristigen Bedürfnisse anzupassen. Siehe eben z.B. das über 100 Jahre alte Stuttgarter Bahnhofsgelände, dessen bauliche Verfaßtheit in sich die Eigenschaft trägt, daß Menschen auch des 21. Jahrhunderts mehr oder weniger gewagte bzw. sinnvolle Ideen entwickeln (können), was man damit anstellen und wie man es verändern resp. umbauen könne.

Lassen Sie uns nun einen gedanklichen Sprung ins 22. Jahrhundert machen, und gehen wir einfach mal davon aus, daß die dritt- und viertnächste Generation der Stuttgarter Bürger vor wiederum ganz neuen Wünschen, Bedarfen und Anforderungen an den (Bahn)verkehr sowie hinsichtlich der städtebaulichen Entwicklung steht. Was könnte einem da einfallen, wenn man der Phantasie freien Lauf läßt?

Vielleicht die Verlagerung von Güterverkehr in die Innenstadt, weil Shoppingcenter und andere Dienstleistungen aller Art so mobil geworden sind, daß man sie als Fahrgeschäfte auf der Schiene quer durch die Republik befördert? Die Nutzung vorhandener Schienentrassen sogar für den Individualverkehr, weil untereinander vernetzte Shuttles einen sich automatisch selbstregelnden und -steuernden Fahrplan generieren können? Oder vielleicht auch einfach die Notwendigkeit, breitere und höhere Züge zu bauen, weil ansonsten die Nachfrage im Personennah- und -fernverkehr nicht bewältigt werden kann?

Ich denke, Sie wissen, was ich meine: Wir können jetzt und heute nicht mit Bestimmtheit vorhersagen, welche Infrastruktur unsere Kindeskinder benötigen und nachfragen werden, damit sie ihre berufliche und private Mobilität als Teil ihrer sozioökonomischen Verhältnisse sinnvoll gestalten und organisieren können. Dieser vorausschauende Gedanke aber wirft nun genau jene Frage auf, deren Beantwortung ich mir von Ihnen wünsche:

Welche bauliche und infrastrukturelle Flexibilität steckt in dem geplanten Tiefbahnhof und seinen vielen Kilometern Röhrentunneln? Oder in anderen Worten gefragt: Wie gewährleisten Sie, daß spätere Generationen von derselben baulichen Veränderbarkeit profitieren, von der Ihre und meine Generation hinsichtlich der von unseren (Groß)eltern hinterlassenen Architektur profitieren? (Dahinter steckt ja auch die schon fast philosophische Frage: Wieviel Endgültigkeit kann und darf in Architektur bzw. Infrastruktur enthalten sein?)

Oder nochmals andersherum gefragt:

Glauben Sie, daß eine zukünftige Generation - und zwar bezogen auf den Einsatz finanzieller Mittel, materieller Ressourcen sowie planerischer Freiheit - es lieber mit einer unterirdischen Gebäudewanne zu tun haben möchte, wenn eine notwendige Anpassung der Infrastruktur angesagt ist? Oder würde sie sich nicht viel lieber wünschen, Ihre/meine Generation hätte ihr einen oberirdischen Bahnhof hinterlassen, an den Hand anzulegen nicht sämtliche Haushaltsbudgets kannibalisiert und nicht alle architektonische Phantasie absorbiert?

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir darauf eine gehaltvolle Antwort geben könnten, denn davon mache ich als interessierter und nicht weniger besorgter Bürger meine Einschätzung abhängig, von welch minderer oder ggf. hoher Qualität Ihr derzeitiges Planungskonzept ist.

Verbindlichsten Dank!

-2

Die Abstimmung ist geschlossen, da der Beitrag bereits archiviert wurde.