Liebe direktzu®-Nutzer,

32.000 Menschen haben abgestimmt, mehr als 650 Fragen konkret beantwortet,– dies ist die Bilanz der Bürgerplattform „Direktzu Stuttgart 21“, die im September 2010 online ging. Seitdem wurde von unseren Fachleuten detailliert Stellung bezogen zu vielen oftmals kritischen Einzelfragen aber auch zu ganz grundsätzlichen Themen rund um das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm, wie zum Beispiel die Kosten, Fahrzeiten, Sicherheit und Brandschutz, Geologie und Ökologie.

Seit 2010 hat sich das Projekt grundlegend verändert. Es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Nach Jahren der Planung und des politischen Diskurses treten die Umsetzung des Bahnprojektes und damit die Bauarbeiten immer mehr in den Vordergrund, was an vielen Stellen der Stadt und entlang der Autobahn nach Ulm zu sehen ist. Diese Dynamik spiegelt sich auch in den an uns gerichteten Anfragen wider, die täglich per Telefon, E-Mail oder Post eingehen. Zunehmend bestimmt das aktuelle Baugeschehen die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, die Frageoption unserer Direktzu-Plattform ab Ende September 2013 zu schließen.

Für die zunehmenden Fragen rund ums Bauen richten wir derzeit ein „Informationszentrum“ ein, über welches sich insbesondere betroffene Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche über das aktuelle Baugeschehen informieren können. Bis das Informationszentrum eingerichtet ist, können Sie Ihre Fragen gerne und jederzeit unter Info(ät)bahnprojekt-s-ulm.de an uns richten. Ebenso nehmen wir Ihre Anfragen schriftlich oder telefonisch entgegen.

Wir freuen uns weiterhin über Ihr Interesse an unserem Projekt. Wir sind für Ihre Fragen da!

Beantwortet
Autor Angelika Bochnig am 24. Oktober 2012
9507 Leser · 19 Stimmen (-2 / +17)

Durchgangsbahnhof: Kapazität, Architektur, Barrierefreiheit

Brandschutz

Sehr geehrrte Damen und Herren,
Bitte beachten Sie, auch bei dem neuen Brandschutz, dass noch mehr Treppen uns Mobilitätseingeschränkten und Familien mit Kinderwagen usw. nicht geholfen ist. Im Notfall und in der Hektrik kann man auf gegenseitiges Rücksichtsnahme nicht vertrauen. Personen im E-Rollstuhl sind auch nicht zum Treppen hoch tragen, also was geschied mit uns????
Wie wollen Sie diese Situation lösen?
Es kann jeder, schon Morgen, in diese Lage kommen und dann, im Brandfall ersticken oder verbrennen wir.
Bitte um eine Stellungsnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Angelika Bochnig

+15

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Wolfgang Dietrich am 14. November 2012
Wolfgang Dietrich

Sehr geehrte Frau Bochnig,

ich bedanke mich ausdrücklich für Ihre ernste und wichtige Frage, die uns die Gelegenheit gibt, die Legende vom nicht vorhandenen Brandschutz auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, denn selbstverständlich genießt die Sicherheit aller Menschen im neuen Hauptbahnhof und den anschließenden Tunnelabschnitten höchste Priorität.

Brände von Personenzügen in Deutschland sind äußerst selten. In den letzten Jahrzehnten ist kein einziger Reisender in Folge eines Zugbrandes in einem der rund 800 Eisenbahntunnel oder den rund 50 unterirdischen Verkehrs- stationen der Deutschen Bahn zu Schaden gekommen. Stetig steigende Anforderungen an die Sicherheit und den Brandschutz von Infrastruktur und Rollmaterial sorgen dabei für ein weiter wachsendes Sicherheitsniveau.

Sollte trotz aller Sicherheitsvorkehrungen dennoch einmal ein brennender Zug einen der Tunnel von Stuttgart 21 und schließlich in den neuen Hauptbahnhof einfahren, greift ein mehrstufiges Entrauchungs- und Rettungskonzept. Im Fokus steht dabei zunächst die zuverlässige Entrauchung der Station, um eine sichere Evakuierung zu ermöglichen. Dazu werden am Brandherd je 7 Quadrat- meter große Öffnungen in mehreren Lichtaugen gezielt geöffnet und gleichzeitig über leistungsstarke Lüfter von beiden Seiten große Mengen Luft in Richtung Hauptbahnhof gedrückt. Die hineinströmende Luft nimmt dabei den Rauch auf, der kurz darauf über die Öffnungen im Dach entweicht. Gutachten und Entrauchungsversuchen an mehreren Modellen haben gezeigt, dass die Rauchentwicklung damit auf den unmittelbaren Bereich des Brandherdes begrenzt und die übrige Bahnhofshalle praktisch rauchfrei gehalten werden kann.

Mit der zuverlässigen Entrauchung einher geht die Evakuierung der Bahnhofshalle. In den ersten Minuten der Evakuierung steht dabei die Selbstrettung im Vordergrund. Der allergrößte Teil der Reisenden verlässt die Station über die zahlreichen Treppen und Zugänge. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass nicht gehfähige Reisende Rauch ausgesetzt werden oder gar mit dem Brand in Berührung kommen, wie dies vielfach behauptet wird. Vielmehr wird durch das Entrauchungskonzept sichergestellt, dass weite Teile des Bahnsteigs über die Selbstrettungsphase hinaus rauchfrei gehalten werden. Diese Bereiche bleiben auch während des Brandes rauchfrei.

An dieser Stelle setzt mit der Fremdrettungsphase nun ein weiterer Baustein des vielschichtigen Sicherheitskonzepts an. Aus allen vier Himmelsrichtungen können Rettungskräfte auf kurzen Wegen in den Bahnhof strömen, um den Brand zu bekämpfen und einzelne verbliebene Reisenden zu evakuieren.

Obwohl der neue Hauptbahnhof und die daran anschließenden Tunnel in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe für den Brandschutz von unterirdischen Verkehrsanlagen setzt, arbeitet die Deutsche Bahn im Moment mit Hochdruck daran, das ohnehin schon sehr hohe Sicherheitsniveau weiter zu steigern. Zum einen steht hier die Anpassung des Brandschutz- und Sicherheitskonzeptes an eine neue, im Jahr 2010 in Kraft getretene Richtlinie an. Zum anderen befindet sich die Bahn in konstruktiven Gesprächen mit den zuständigen Brand- schutzbehörden, um weitere Verbesserungen in die Planung aufzunehmen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Antwort weitergeholfen zu haben und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Dietrich