Liebe direktzu®-Nutzer,

32.000 Menschen haben abgestimmt, mehr als 650 Fragen konkret beantwortet,– dies ist die Bilanz der Bürgerplattform „Direktzu Stuttgart 21“, die im September 2010 online ging. Seitdem wurde von unseren Fachleuten detailliert Stellung bezogen zu vielen oftmals kritischen Einzelfragen aber auch zu ganz grundsätzlichen Themen rund um das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm, wie zum Beispiel die Kosten, Fahrzeiten, Sicherheit und Brandschutz, Geologie und Ökologie.

Seit 2010 hat sich das Projekt grundlegend verändert. Es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Nach Jahren der Planung und des politischen Diskurses treten die Umsetzung des Bahnprojektes und damit die Bauarbeiten immer mehr in den Vordergrund, was an vielen Stellen der Stadt und entlang der Autobahn nach Ulm zu sehen ist. Diese Dynamik spiegelt sich auch in den an uns gerichteten Anfragen wider, die täglich per Telefon, E-Mail oder Post eingehen. Zunehmend bestimmt das aktuelle Baugeschehen die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, die Frageoption unserer Direktzu-Plattform ab Ende September 2013 zu schließen.

Für die zunehmenden Fragen rund ums Bauen richten wir derzeit ein „Informationszentrum“ ein, über welches sich insbesondere betroffene Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche über das aktuelle Baugeschehen informieren können. Bis das Informationszentrum eingerichtet ist, können Sie Ihre Fragen gerne und jederzeit unter Info(ät)bahnprojekt-s-ulm.de an uns richten. Ebenso nehmen wir Ihre Anfragen schriftlich oder telefonisch entgegen.

Wir freuen uns weiterhin über Ihr Interesse an unserem Projekt. Wir sind für Ihre Fragen da!

Beantwortet
Autor Helmut Strippgen am 06. Februar 2012
8381 Leser · 30 Stimmen (-8 / +22)

Durchgangsbahnhof: Kapazität, Architektur, Barrierefreiheit

Stuttgart 21 - die Zukunft des Bahnhofs in 50 Jahren

der neue Bahnhof wird aktuell mit 8 Gleisen geplant. Wir Bürger sollten aber nicht nur an uns selbst sondern auch an unsere Kinder und Enkelkinder denken. Nach meiner Ansicht kann der Autoverkehr in Zukunft nur noch begrenzt wachsen. Nehmen wir mal an, der Personenverkehr der Bahn wird in 50 Jahren erheblich zunehmen.
Meine Frage lautet dann:
Besteht die Möglichkeit, die Anzahl der Gleise zukünftig auf
9-10, später auf 11-12 Gleise zu erhöhen?
Berücksichtigt man schon jetzt den dazu notwendigen Platzbedarf?
Hält man diese Reserve - Bereiche frei von oberirdischer Bebauung?

+14

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Wolfgang Dietrich am 23. April 2012
Wolfgang Dietrich

Sehr geehrter Herr Strippgen,

ich bedanke mich für Ihre Fragen über die Zukunftsfähigkeit von Stuttgart 21, die ich sehr gerne beantworte.

Stuttgart 21 ist in Verbindung mit der Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm ein Quantensprung für den Zugverkehr in Baden-Württemberg. Mit Stuttgart 21 entsteht weit mehr als nur ein neuer Hauptbahnhof, auf den die Diskussion so oft reduziert wird: Zum Paket gehören insbesondere auch direkte, schnelle Schienenwegen in alle Richtungen, die neue Drehscheibe auf den Fildern, spürbare Verbesserungen für die S-Bahn und ein moderner Abstellbahnhof. Stuttgart 21 nutzt konsequent die Möglichkeiten der Eisenbahn im 21. Jahrhundert und sorgt dafür, dass zukünftig viel mehr Züge mit kürzeren Fahrzeiten und mehr Direktverbindungen angeboten werden.

Im Stresstest hat die Deutsche Bahn bereits den detaillierten Nachweis erbracht, dass der neue Hauptbahnhof 49 Zugankünfte pro Stunde bei gleichzeitig rückläufigen Verspätungen abfertigen kann. Gegenüber den heute planmäßig 35 Ankünften von Fern- und Regionalzügen in der Spitzenstunde entspricht dies bereits einer Leistungssteigerung von mehr als 30 Prozent. Eine derart deutliche Zunahme ist bis zum Jahr 2020 jedoch nicht zu erwarten – nach dem aktuellen Planungsstand sollen etwa 42 Züge zur morgendlichen Spitzenstunde fahren.

Doch selbst wenn in einigen Jahrzehnten ein Bedarf von 50 und mehr Zügen pro Stunde besteht, ist der neue Stuttgarter Bahnknoten bestens dafür gerüstet. So erlaubt die hochleistungsfähige Infrastruktur des neuen Hauptbahnhofs durchaus, noch deutlich mehr als die nunmehr nachgewiesenen 49 Züge zur Spitzenstunde abzuwickeln. Um für eine weitere Steigerung der Zugzahlen gewappnet zu sein, wird der Anschluss eines 3. und 4. Gleises auf dem am stärksten belasteten Zulauf (aus Feuerbach) im Rahmen von Stuttgart 21 bereits so vorbereitet, dass er später bei Bedarf ohne größere Eingriffe in den laufenden Bahnbetrieb nachgerüstet werden kann. Weitere Potentiale zur Leistungssteigerung ergeben sich aus technischen Fortschritt, insbesondere im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik. Wie Herr Dr. Kefer bereits bei der Schlichtung aufzeigte, kommt ein 9. und 10. Bahnsteiggleis erst dann in Frage, wenn mehr als etwa 60 Züge pro Stunde fahren sollen.

Über die Möglichkeit der Erweiterungsoptionen haben wir bereits unter http://www.direktzu.de/stuttgart21/messages/details-zur-e... geantwortet. Tenor: Eine Erweiterung ist prinzipiell möglich.

Mit Stuttgart 21 hinterlassen wir unseren Kindern und Enkelkindern einen einzigartigen Bahnknoten, an dem sich auch die Generationen nach uns noch erfreuen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Dietrich