Liebe direktzu®-Nutzer,

32.000 Menschen haben abgestimmt, mehr als 650 Fragen wurden beantwortet – dies ist die Bilanz der Bürgerdialogplattform „Direktzu Stuttgart 21“, die im September 2010 online ging. Seitdem wurde von unseren Fachleuten detailliert Stellung bezogen zu vielen Themen rund um das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm. Alle unsere Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen finden Sie hier auf dieser Plattform.

Seit 2010 hat sich das Projekt grundlegend verändert. Es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Nach Jahren der Planung und des politischen Diskurses treten die Umsetzung des Bahnprojektes und damit die Bauarbeiten immer mehr in den Vordergrund, was an vielen Stellen der Stadt und entlang der Autobahn nach Ulm zu sehen ist.

Für die zunehmenden Fragen rund ums Bauen haben wir ein „Informationszentrum“ eingerichtet, über welches sich insbesondere betroffene Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche über das aktuelle Baugeschehen informieren können.

Wir freuen uns weiterhin über Ihr Interesse an unserem Projekt.

Beantwortet
Autor Roland Weckerle am 24. September 2010
15768 Leser · 46 Stimmen (-11 / +35)

Baustelle: Bauphasen, Logistik, Emissionen

Fundament mit 3500 Ortbetonpfählen?

Stimmt die Aussage, dass 3500 Ortbetonpfähle mit schwerem Gerät in den Talboden gerammt werden müssen und pro Pfahl 125 Rammschläge notwendig sind? Dass die lauten Rammarbeiten über Monate die Bürger belästigen und das täglich von 6.00 Uhr - 22.00 Uhr?

+24

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Antwort
von Dr. Volker Kefer am 26. Oktober 2010
Dr. Volker Kefer

Sehr geehrter Herr Weckerle,

ja, es müssen für den Bau des neuen Durchgangsbahnhofs tatsächlich 3.500 Betonpfähle in den Talboden gerammt werden. So steht es auch im Planfeststellungsbeschluss 1.1 (Talquerung der Innenstadt mit Hauptbahnhof), den Sie unter der Rubrik Downloads unter folgendem Link einsehen können: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/siteutilities/hea...

Die angesprochenen Rammarbeiten werden zum Niederbringen der ca. 3.500 Ortbetonpfähle durchgeführt werden, die zur Gründung des Fernbahntrogbauwerkes und in Teilbereichen der Stadtbahn-Tunnelbauwerke erforderlich sind. Je Pfahl sind ca. 125 Schläge erforderlich, um diesen mittels eines Vortreibrohrs und eines so genannten Freifallbären ins Erdreich zu treiben. Anschließend erfolgt erst die Ausrammung des Pfahlfußes, für die eine noch größere Rammenergie erforderlich ist. Die Rammarbeiten sollen jedoch ausschließlich während des Tagzeitraumes, d. h. nicht vor 6.00 und nicht nach 22.00 Uhr erfolgen. Eine Reduzierung der täglichen Rammdauer - das wurden in den Verhandlungen durchaus erörtert, würde lediglich dazu führen, dass der Baustellenbetrieb sich insgesamt ausdehnen würde.

Um es ganz einfach auszudrücken: Man benötigt die Pfähle, um das Fundament des neuen Tiefbahnhofs im Boden zu verankern.

Ein genereller Verzicht auf Rammpfähle und der Einsatz von Bohrpfählen lässt sich wegen der Belange des Mineral- und Grundwasserschutzes nicht festschreiben. Da Bohrungen in diesem Bereich unter Umständen zu irreversiblen Beeinträchtigungen des Mineralwasservorkommens führen könnten, ist hier dem Mineralwasserschutz - soweit erforderlich - Priorität einzuräumen. Um es also klar zu sagen: Die Bahn muss rammen, damit die Mineralquellen geschützt werden.

Hinzu kommt, dass viele Bohrverfahren gegenüber den Rammverfahren größere Schallimmissionen verursachen. Die vorgesehenen Schutzmaßnahmen wurden daher unter Abwägung des Interesses der Betroffenen an einem möglichst umfassenden Erschütterungsschutz einerseits und dem Interesse der Allgemeinheit am Schutz des Heil- und Mineralwasservorkommens sowie dem Interesse der Vorhabenträgerin an einer zeitnahen und wirtschaftlich vertretbaren Bauausführung andererseits festgesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Volker Kefer - Vorstand Technik, Systemverbund, Dienstleistungen und Infrastruktur der DB